Montag, 18. Juli 2011

Sea of love

Mal ein Bericht der anderen Sorte!

Wer aus Freiburg kommt weiß: Am Wochenende war "Sea of love" die alljährliche Party die von "Bisschen chillen am See und Musik hören" zum Großevent wurde. 25.000 Menschen.
Die müssen natürlich irgendwo untergebracht werden. Zum Beispiel am Gelände der "neuen" Messe. Die ja für solche Veranstaltungen ausgelegt ist. Aber hm, es wurden doch ein paar Tickets mehr verkauft, wieso nicht noch ein paar Leute an den alten Güterbahnhof verlegen, da ist ja jetzt Platz.

Jetzt komme ich ins Spiel. 5 Meter daneben (wenn überhaupt 5 Meter!) arbeite ich. In einer Bäckerei.
Ihr ahnt es.
Zuerst haben wir die "200 Wohnwagen" die angekündigt waren ein wenig belächelt. Na klar, der Chef will, dass wir alles bestellen und die Theke "vollknallen". Na ob er sich da mal nicht verschätzt...
Hat er nicht, so viel kann ich verraten!

Am Freitag ging es ruhig los. Die ersten kamen an, Julia hat die Spätschicht noch gut alleine geschafft. Nicht viel passiert.
Samstagfrüh war ich um halb 5 da. Habe die vorgerichteten Pizzateile in den Ofen geschoben und dann wie üblich weitergemacht. Doch dann habe ich den Fernseher anmachen wollen und höre ein Klopfen.
Ab da habe ich vom Fenster aus 3 Bleche Pizzateile in kürzester Zeit an diverse Schnapsleichen verkauft die von der großen After-Show-Party am Messegelände angetrokelt kamen,
Die waren alle sehr nett und haben sich sichtlich über Essen gefreut.
"Gibt es hier schon was zu essen?"
"Ja, so Pizzateile."
"Jaaah, ich nehm so zwei!"
"Was denn für welche? Wir haben..."
Und dann kam meistens "Egal!!Essen!... Ja,dann hm, xyz!"

Zum Glück kam dann die andere Kollegin und hat weitergebacken. Schöne Bleche hatte ich vor mir liegen aber bis ich die aufgefüllt hatte hat es gedauert, eigentlich hab ich alles vom Backblech verkauft.

Dann wurde es ruhig.
Ich zitiere mich selbst: "Na, die sind jetzt im Bett und schlafen sich aus. Die, die gestern nicht mehr weg sind schlafen sicher auch noch ein bisschen. Jetzt haben wir erstmal Ruhe."
Ja, sagt nichts.
Wir hatten stundenlang Schlangen bis draußen. Der Chef musste einspringen und aushelfen, Julia musste kommen und es war immer noch unglaublich stressig. Aber es hat so Spaß gemacht!
Alle waren gut gelaunt und es lief super. Selbst aus unserem Hundenapf wurde getrunken. Hm,lecker. Den spülen wir natürlich jeden Tag und machen frisches Wasser rein. Nicht.

Die Pläne für den nächsten Tag wurden neu gestaltet. Zum einen hatte jemand, dessen Name nicht genannt werden möchte, kurzerhand eine Bestellung von 210 Brötchen auf 7 Uhr früh angenommen und zum anderen hatten wir am Samstag ewig keine belegten Brötchen.
"Belegte Brötchen sind schon alle weg?"
"Schon weg?! Es waren nie welche da, haben wir gar nicht geschafft!"
Dann hat der Chef persönlich welche gemacht. Die besten belegten Seelen weit und breit! Kaum waren sie in der Theke waren sie schon weg. Auch Sonderbestellungen wurden suverän angenommen.
"[...] Dann nehm ich so mit Schinken, Salami, Käse und alles. Also mit alles.Aber ohne Tomaten."
Kreativ waren sie ja.

Nach 10h kam ich dann nach Hause und war sofort im Bett. Am nächsten Tag hat mein Wecker wieder um 5 Uhr geklinget. Es wollten 120 gefrohrene, 140 belegte und 210 gebackene Brötchen von einer Ecke zur anderen gefahren werden.
Außerdem noch einen Betrunkenen.
Der stand nämlich bei uns und wollte gerne ins Bett, aber Sonntagfrüh ein Taxi in Freiburg? - Der war gut. Dann auch noch bei so einem Event? - Ahahaha, ja klar!
Da kommt man mit dem Telefon nicht einmal durch.
Er musste aber in die selbe Richtung wie ich und schien in Ordnung zu sein. Dafür hab ich ihm eine große Tüte Brötchen in die Hand gedrückt damit er beim Reintragen hilft ;)
Er durfte in die heiligen Hallen einer Bäckerei und hat sich brav erkundigt ob er da nun wirklich rein dürfte! o.o!
Nach 3 Minuten Fahrt hab ich ihn abgeliefert und er hat sich sehr nett bedankt. Jeden Tag eine gute Tat und soweiter, aber jetzt ab ins Bett!

Bis das Telefon klingelte damit ich ganz schnell und ganz dringend komme. Es wären wieder extreme Schlangen bis draußen, sie konnten mich eine Stunde lang nicht mal anrufen, obwohl sie zu Dritt waren. So viel war los.
Mama-Taxi hat mich gefahren und dann ging es los. Es hat geregnet, die Leute waren nicht mehr so gut gelaunt und sind natürlich nicht an den See gefahren. Dafür aber halt zum Bäcker gegangen.
Das hat nicht mehr so viel Spaß gemacht, aber es wurde besser. Das Festival wurde dann doch nicht abgesagt, weil die Bühne zu viel absank und gegen Abend wurde es wieder sonniger.

Später kam der Chef mit der Frau Gemahlin und erzählte ihr die Geschichte des Hundenapfs. Ein (nicht mehr nüchterner) Kunde daneben rief dabei aus: "Das hab ich gestern auch gemacht!!"
Ich: ".. in so einer Herzchenboxershorts?"
"Herzchenboxershorts genau! Das war ich!!"
"Da haben Sie's. Er war es."
Stolz wie Oskar war er darüber, haha!

Gegen 20 Uhr haben wir dann auch endlich schließen können und ihr ahnt es, für mich ging es am frühen Morgen gleich wieder los. Kurz vor 3 hab ich Julia abgeholt. Heute morgen war es sehr ruhig, aber so hatten wir Zeit alles zu backen, zu richten und zu belegen.
Nach und nach sind die Ersten aufgewacht. Große Sonnenbrillen, heißer, völlig überfordert mit jeder unnötigen Frage.
"Kaffee bitte."
"Klein oder groß?"
"Keine Ahnung, normal."
Das beruhte dann aber auf Gegenseitigkeit. Wir waren auch völlig fertig und haben uns gerade noch auf den Beinen gehalten.

Es war auf jeden Fall sehr interessant, spaßig und anstrengend!
Aber jedes Mal wieder.

Ihr erinnert euch: Der Papstbesuch im Herbst steht an.

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